Dom St. Martin (1150)
Weithin sichtbar erhebt der Havelberger Domkomplex sich auf einer eiszeitlichen Anhöhe über der Havel, nahe von deren Mündung in die Elbe. Zu diesem Komplex gehören die Bischofskirche des 948 (946?) gegründeten Bistums Havelberg und die vollständig erhaltenen Klausurgebäude des 1149/50 ins Leben gerufenen Prämonstratenser-Chorherrenstifts. Die Anfänge des Bauwerkes gehen wahrscheinlich auf die Jahre 946/948 zurück. Eine Vielzahl von Besonderheiten bietet der romanische Bruchsteinkern des Domes, die mit einer Bauzeit zwischen 1150 und 1160 nicht zu erklären sind. Das schmalrechteckige reduzierte Westwerk ist sehr auffällig. Dessen liturgischen Funktionen überwogen gegenüber der militärischen Wehrhaftigkeit. Der Westquerriegel erhielt um 1200 ein dreiarkadiges, 1907/08 schließlich ein fünfarkadiges neoromanisches Klanggeschoss in Backsteinen aufgesetzt. Die ursprüngliche langgestreckte Pfeilerbasilika zeichnet sich nach Osten deutlich ab. Als Stümpfe von Osttürmen gelten die doppelgeschossigen Kapellen an der Nord- wie auch an der Südseite des Chores. Zugemauerte rundbogige Portale sind zu erkennen. 1939 wurde das Fundament der halbkreisförmigen Apsis ergraben. Der gotische Umbau des Langhauses erfolgte zwischen 1279 und 1330 nach einem großen Brand. Sein architektonischer Charakter wird seitdem durch eine gelungene Synthese aus romanischen und gotischen Elementen geprägt. Der Innenraum wird durch Kirchenkunst des Hoch- und Spätmittelalters geschmückt. Hierzu zählen die Chorschranken-Lettner-Ensemble aus Sandstein (1396-1411), Sandsteinleuchter (nach 1279) ornamentale und bildliche Glasmalereien (1.V. 14. Jahrhundert, 1. V. 15. Jahrhundert), dreierlei Chorgestühl (nach 1279, 2. V. 14. Jahrhundert, um 1430) und eine Triumphkreuzgruppe (vor 1300). An der Südseite des Domes liegen die Stiftsgebäude. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts bzw. um 1200 entstanden der Ostflügel (Konventbau) und der Südflügel (Refektorbau). Sie gehören zu den ältesten Bauten aus Ziegel östlich der Elbe. Der östliche Kreuzgang (2. V. 13. Jahrhundert) übermittelt in seinem Untergeschoss den Übergang zur Gotik. Er wurde im 15. Jahrhundert aufgestockt. Um 1250 kam der südliche Kreuzgang mit seiner Fassadengliederung gleich in zwei Geschossen zur Ausführung. Die Klosteranlage schloss sich nach 1250 durch die Errichtung des Westflügels (Cellarbau) mit Kreuzgang. Vom Stil der Norddeutschen Backsteingotik sind letztere bestimmt. Ein einmaliges Ensemble von besonderer architektonischer Schönheit und kulturhistorischer Bedeutung bilden die Bischofskirche und Klausur. Einen würdigen Rahmen für viele Musikveranstaltungen bilden die Räumlichkeiten neben der Nutzung als Gotteshaus und Museum. Dem Domkomplex umgibt ein historischer Dombezirk, bebaut mit mehreren Stiftsgebäuden aus sechs Jahrhunderten. Am Anfang der Grundmoräne wurden überwiegend die aus dem 17./18. Jahrhundert stammenden Fachwerkhäuser von Fischern, Fischverkäufern, Schiffbauern und Schiffern bewohnt. Ihr mittelalterliches Bild behielt die Stadtinsel, gebildet durch die Havel und dem Stadtgraben, trotz häufiger Brände bei. Die Kirche "St. Laurentius" und die Heiliggeist-Kapelle (Beguinenhaus) sind die ältesten Bestandteile des Stadtkerns.
Öffnungszeiten: Mittwoch-Sonntag 10:00-12:00 Uhr und 13:00-18:00 Uhr, im Winter bis 17:00 Uhr
Führungen: nach Anmeldung im Prignitz-Museum, Tel 4 22 oder beim Evangelischen Pfarramt , Propsteiplatz 1, Tel. 7 02
Parken: in der Nähe des Domes und im Ort auf dem Marktplatz, in der Uferstraße, an der Wässeringe u. a.
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